Früh Morgens auf den Falzaregopass. Das ist eine schöne Geschichte: Hier steht, versteint, ein falscher König (‹falza› ‹rego›), der seine Tochter verstieß, sein Reich verriet und dann in einem Ränkespiel verlor. Tot ist die Tochter, und sein Volk lebt nun seit Äonen in den Gängen der Murmeltiere und wartet auf eine bessere Zeit. Es ist ganz possierlich, dass mir das heute einfällt (wir schreiben den 25. Juni 2016).
Geh‘ von der Passhöhe aus durch leichte Steine ein paar hundert Meter nach oben, und Du hast einen herrlichen, unverbauten Blick. Die Welt ist noch grau, feiner Nebel spielt in den Schützengräben. Ein Königsplatz. Landschaft oder Zeit, man kann den Focus wählen. Marmolata, Laguzoi, Sass die Stria – ich übersehe einen schönen Teil der Dolomitenfront. Minenkrieg: Am Ende trieben italienische Pioniere einen 1.000m langen Stollen durch die Ostwand des Laguzoi brachten dort 33 Tonnen Sprengstoff zur Explosion. Niemand gewann einen einzigen Meter.
Es braucht nicht viel, um sie leben und sterben zu hören. Das Dämmer löscht den Focus, der Murmeltierbau öffnet sein Tor. Two suns in the Sunset, drei Könige im Nebel: Der Herr der Fanes und Luigi Cardona, auf ihren Füßen der jüngere Mann der Gegenwart, der mit seinem Land spielt. Drei Schwestern vor der Zeit fliehn sie dem steigenden Licht. Schattengleich zerfließt der Nebel. Einen Wimpernschlag später klatschen geschichtslose Primaten junge Syrer, und ein Weltverliebter bleibt, um einen Sonnenaufgang zu fotografieren.
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