Heile macht mich die Stadt, die ich liebe. Eine kantige, launische Geliebte ist sie: sie stinkt, sie ist hässlich, sie staubt. Voll und eng ist sie. Und ist doch sanft und nimmt mich auf.
Wir sitzen auf einer Dachterrasse im tibetischen Viertel; gleich kommt Thentuk. Die Bodnath-Stupa bethront den Platz. Hunderte umrunden den Bau im Uhrzeigersinn. Zauberisches Kerzenmeer: Mönche verbrennen darin Mariuhana; ein immergleiches, über die Jahre unverändertes om mani padme hum tacktet Atem, Puls und Schritt. Man will an diesem Ort eine der größten Intensitäten spiritueller Energie auf der Erde „gemessen“ haben. Hokuspokus, freilich. Und doch – lass‘ Kinderaugen sehn. Dieser Ort ist ein Plädoyer für die Verzauberung des Alltags.
Dabei bewegen wir uns in der Hauptstadt des Landes, das im Human Development Index Platz 147 von 187 belegt. Wir sind mitten in der dritten Welt, und das ist nicht romantisch. Aber es ist. Und wo sonst würdet Ihr nachts ohne Weiteres mit drei Jahresgehältern am Körper durch einen Slum spazieren?
Die große Stupa hat mit dem zweiten Beben im vergangenen Jahr die Spitze verloren. Sie ist noch nicht wieder aufgebaut. Die Mittel, die an den nepalesischen Staat gingen, sind verpufft. Ruhig ist die Stadt; es gibt nur wenige Touristen. Einige Zeltstädte sind geblieben.
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